Prof. Dr. med. habil.
Robert Schönmayr

 

 

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Dynamische Stabilisierung der Wirbelsäule

Indikationen: Bandscheibenschaden, Bandscheibenvorfall, vorausgegangene Bandscheibenoperation, degenerative Gelenksschädigung, bei dadurch bedingter Wirbelkanal- und Foramenstenose sowie Wirbelgleiten (max. 1. Grades)

Kontraindikationen: Fortgeschrittene Bandscheibenschädigung oder Segmentdegeneration, mehrsegmentale Pathologien, Instabilität, Entzündungen, Osteoporose, Wirbelverletzungen und weitere.

Bilddiagnostik: MRT, CT, Röntgen, Myelographie, CT-gesteuerte Gelenksinjektionen

Operation: Mikrochirurgische transmuskuläre Dekompression, Implantation von Schrauben und elastischem Längsträger in die Bogenwurzeln (Pedikel)

Implantate: Orthofix TDX™

Wirbelsäulenverschleiß führt häufig dazu, dass mit Nachlassen der Spannkraft der Bandscheibe (Bild 1) die Verbindung zwischen zwei Wirbeln lockerer wird (Gefügelockerung, Instabilität). Das bedeutet Stress für die ohnehin schon geschwächte Bandscheibe und vor allem für die kleinen Gelenke, die die Wirbel miteinander verbinden, die sog. Facettengelenke. Bild 2 zeigt stark durch Verschleiß geschädigte Wirbelgelenke im Computertomogramm. Rückenschmerzen bei längerem Gehen, Stehen oder Sitzen in ungünstiger Haltung gehen vorwiegend von der Bandscheibe aus und bessern sich nach dem Hinlegen.

Facettengelenksschmerzen sind ganz typisch: beim Aufstehen aus dem Liegen oder dem Aufrichten aus dem Sitzen stichartige Schmerzen im Rücken, die nach einigen Bewegungen wieder etwas nachlassen. In Ruhe, also im Sitzen oder Liegen, verursachen die Gelenke keine Schmerzen.

Natürlich können sich beide Schmerzarten überlagern, nicht selten kommen auch noch Schmerzen hinzu, die von der überlasteten und häufig zu schwachen Rückenmuskulatur ausgehen. Alles in Allem kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt sein, oft sind dadurch Tätigkeiten, die mit einer Belastung der Wirbelsäule einhergehen nicht mehr möglich und zahlreiche Sportarten oder Freizeitaktivitäten können nicht mehr ausgeübt werden.

Zeigen die körperliche Untersuchung und die bildgebenden Verfahren (MRT, CT, Röntgen), dass eine Lockerung zwischen zwei Wirbeln (Segmentinstabilität) wesentliche Ursache für das Beschwerdebild ist, kann eine operative Stabilisierung in Betracht kommen. Es versteht sich, dass zunächst alle Register der nicht operativen (sog. konservativen) Behandlung gezogen worden sein müssen, bevor eine Operation überhaupt in Erwägung gezogen wird.

Sollte aber eine Operation notwendig werden, sollte neben der operativen Verblockung (Spondylodese) zweier Wirbel geprüft werden, ob nicht eine sog. dynamische Stabilisierung in Frage kommt. Dabei wird auch die Stabilität zwischen zwei Wirbel erhöht, ihre Beweglichkeit aber erhalten. Operative Verfahren und verschiedene Implantate zu diesem Zweck gibt es schon seit vielen Jahren, doch auch hier ist die Entwicklung weiter fortgeschritten.

Das Implantatsystem, Orthofix TDX™, wird mit Schrauben in den Wirbelkörpern befestigt. Es hat Längsträger aus Titan, in denen ein elastisches Modul integriert ist (Bild 3 und 4). Es wird vor allem dann verwendet, wenn eine dynamische Stabilisierung in einer Höhe und eine rigide Stabilisierung im Nachbarsegment  durchgeführt werden müssen. Bild 5 zeigt ein solches implantiertes System von hinten, die Bilder 6 und 7 zeigen es von der Seite in Bewegung. Die obere Höhe (2. und 3. Lendenwirbel = LW2/3) ist dynamisch, die untere Etage LW3/4 ist rigide stabilisiert. Dort ist anstelle der Bandscheibe ein Kunststoffimplantat (Cage) mit Titanmarkierungen eingesetzt worden.

Nach dem Eingriff können die Patienten sofort mobilisiert und der Nachbehandlung zugeführt werden. Freilich dauert es einige Zeit (3-6 Monate), bis die implantierten Schrauben so fest eingewachsen sind, dass wieder alle alltagsüblichen Belastungen möglich sind. Doch schon während dieser Zeit erfahren die Patienten eine wesentliche Besserung ihrer Beschwerden.

Weiterer Vorteil des Verfahrens: die Bandscheiben der benachbarten Wirbel werden nicht so stark belastet, wie dies bei einer versteifenden Operation der Fall ist. Damit ist auch das gefürchtete Risiko der sog. Anschlussinstabilität und damit etwaiger weiterer Operationen deutlich vermindert.

Bis heute gibt es leider keine ausreichend belastbaren Langzeitergebnisse, die die Überlegenheit derartiger Systeme mit der nötigen Sicherheit nachweisen könnten. Zudem sind innovative Lösungen in Entwicklung, die mehr als die bisherigen Systeme auf möglichst naturgetreue Bewegungsabläufe zielen.

 

Bild DynStab 1

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Bild Dynstab 2

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Bild DynStab 6

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Bild DynStab 7

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Bild DynStab 8

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Bild DynStab 9

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Bild DynStab 10

Bild 7